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West Coast Trail – Part 1 – von Gordon River bis Cribs Creek

Es war nicht nur die Herausforderung während unseres Kanada-Trips, sondern speziell meine. Ich hatte keinerlei Erfahrung mit Mehrtagestreks und habe mich auf das Abenteuer West Coast Trail eingelassen. Wie es mir auf den 77km auf Vancouver Island ergangen ist, und was ihr für euren Trip beachten solltet findet ihr meinen beiden Posts!
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Der West Coast Trail

Der 75km lange Trail zwischen Gordon River (bei Port Renfrew) und Pachena Bay (bei Bamfield) wurde 1890 ursprünglich als Telegrafenleitung angelegt, und zwischen 1906 und 1910 dann als Rettungsweg für Schiffbrüchige ausgebaut. Seit 1973 hat der WCT nun seinen Namen und fordert Wanderer heraus. Durch Boardwalks und Leitersysteme sicherlich inzwischen sehr entschärft, werdet ihr trotzdem eure Herausforderung finden! Der Trail selbst ist 75km lang, mit dem Umweg zur Trasher Cove (ein Campsite, den fast jeder nutzt) werden es dann aber doch zu den oben erwähnten 77km.

Die Route

Ihr habt 3 Möglichkeiten den Trail zu starten: Gordon River und Pachena Bay sind jeweils die Trailheads, seit einigen Jahren könnt ihr auch am Nitinat Lake ein- oder aussteigen und so den Trail verkürzen.
Nord-Süd vs. Süd-Nord: Wie ihr sehen könnt, wir haben uns für die Strecke von Süd nach Nord entschieden und haben so den schwierigeren Teil zuerst gemeistert. Ich würde es wieder so machen, da ich anstrengendere Teile gerne hinter mir habe. Natürlich ist es aber auch von Vorteil, wenn man diese Passagen nur mit leichterem Gepäck meistern muss. Diese Entscheidung kann euch aber keiner abnehmen 🙂

Die Reservierung

Der West Coast Trail ist von Anfang Mai bis Ende September geöffnet – eine Reservierung kann ich euch nur empfehlen! Das geht inzwischen ganz einfach (meist zu Beginn eines Jahres) auf Parks Canada. Nur unreservierte Plätze werden vor Ort an ‚Standby-Hiker‘ vergeben.
Und nicht vergessen, es werden täglich nur 75 Permits vergeben. 184 CAD kostet euch dieses Abenteuer – Fähren, Reservierungsgebühr und das Permit eingeschlossen.

Bei der Reservierung müsst ihr auch eure geplante Anzahl an Tagen angeben – wir haben den Trail in 7 Etappen unterteilt und diese Zeit habe ich auch gebraucht. Bestimmt ist das für einige Leute viel zu viel, allerdings hätte ich mein Tempo nicht mehr wirklich beschleunigen können und habe es genossen ohne Zeitdruck die Umgebung zu bestaunen und Fotos zu machen.

Knöchel gebrochen? Was nun?

Die gute Nachricht zuerst: In den Trailgebühren ist auch eine Rettung (bei schwerwiegenden Verletzungen, Blasen zählen z.B. nicht ;-)) inklusive.
Die schlechte Nachricht: Bis Hilfe kommt können bis zu 24h vergehen.

Das normale Prozedere: Eine Person bleibt immer beim Verletzten, wird es abends muss z.B. das Zelt aufgebaut werden. Seit ihr 3 oder mehr Personen in der Gruppe, gehen diese zum nächsten Leuchtturm / Fährbetreiber / Parkranger etc. und lassen dort über Funk Hilfe holen. Seid ihr nur zu zweit oder gar alleine unterwegs, müsst ihr andere Wanderer ansprechen! Es wird auch mit Booten an der Küste patroulliert, vielleicht könnt ihr diese auf euch aufmerksam machen.

Handynetz werdet ihr nicht finden (für euch täglich getestet ;-)) Auch in Port Renfrew und Bamfield hatte ich keine Verbindung!

Die Campsites

Theoretisch ist es fast auf der gesamten Strecke erlaubt sein Zelt aufzubauen, wir haben aber immer einen der eingezeichneten Campsites genutzt. Diese liegen immer am (Frisch-)Wasser, haben eigentlich recht angenehme Plumpsklos und den Vorteil, dass es große Bärenkanister gibt in denen man all sein Essen und die Hygieneartikel verstauen kann. Bestimmte Plätze (vorallem die ersten aus den Startrichtungen) können etwas voller werden, ein Platzproblem haben wir allerdings nie bekommen.

Die Tierwelt

Im Pacific-Rim-Nationalpark (zu dem der WCT gehört) gibt es einiges an Wildlife. Zu den Arten, die uns wohl am meisten Respekt einflößen, gehören Schwarzbären, Pumas und Wölfe. Wir sind ohne Sichtung vom Trail gekommen, die Spuren (ob Pfotenabdrücke oder Kot) waren aber nicht zu übersehen. Also immer schön unterhalten und in den Campsites unbedingt die Bärenkanister nutzen! In den Trailheads und auch auf den Campsites gibt es immer Aushänge, wann zuletzt Bären gesichtet wurden. Und im Camp erfahrt ihr von anderen Wanderern immer die neuesten Sichtungen.

Ich habe zwar keinen Bär gesehen, frage mich aber immer noch wieviele Bären wohl mich gesehen haben?! 🙂 Natürlich gibt es auch noch u.a. viele Vogelarten, Otter, Robben und Mäuse zu beobachten.

Die Packliste

Eine Packliste für den WCT findet ihr z.B. hier.
Meine dringendsten Empfehlungen: 2 Wanderstöcke, Gamaschen, genügend Snacks und Micropur T1 um das Wasser zu reinigen. Ich bin übrigens mit guten 19kg + DSLR gestartet!
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Auch noch gut zu wissen:

An den Trailheads gibt es nichts zu kaufen – keine Lebensmittel und keine Ausrüstung. Dafür habt ihr unterwegs zweimal die Möglichkeit ‚einzukehren‘. Es gibt entweder Burger bei Chez Monique (nähe Carmanah Lighthouse) oder Krabben im Crab’s Shack (bei den Nitinat Narrows) zu essen. Dort gibt es jeweils auch Soft Drinks, Bier und Snacks – also ein Paradies 🙂

Der Trailbus ist zwar nicht gerade günstig, aber wohl die einfachste Art sich zwischen den verschiedenen Trailheads und z.B. Victoria zu bewegen. Eine Reservierung kann auch nicht schaden. Wer den Trail in Pachena Bay beendet, kann möglicherweise schon früher in den Bus einsteigen. Er fährt dann zuerst nach Bamfield (und später nochmal zum Trailhead Pachena Bay) – dort könnt ihr euch im Supermarkt mit Leckereien versorgen und das Wlan nutzen 😉

Wir haben unser Auto gegenüber des Trailheads Gordon River geparkt – für 5 CAD pro Tag könnt ihr euer Auto bei Evan (Tel: 250-647-0071) abstellen.

Klingt zu anstrengend? Diese Tipps können helfen:

Lesestoff: Outdoor Handbuch auf Deutsch oder Blisters and Bliss und den Preparation Guide auf Englisch.

Wer sich in einer geführten Gruppe sicherer fühlt, sich nicht um die Planung kümmern kann oder sich nicht die komplette Ausrüstung kaufen möchte – kann die Tour z.B. direkt bei Ecosummer buchen. Dort müsst ihr übrigens auch nur die Hälfte des Proviants tragen, die zweite Hälfte wird bei Chez Monique gelagert und dort erst in den Rucksack gepackt. Ich bin ein wenig neidisch 😉

Als Alternative möchte ich euch den Juan de Fuca Trail empfehlen. Der kleine Bruder des WCT ist kürzer, sicherlich genauso schön und ganzjährig geöffnet!

Jetzt aber ran an den Speck – Die Etappen 1 bis 4:

Tag 1: Gordon River – Trasher Cove – 6km – 5h
Der harte Einstieg

Nach einem leckeren Frühstück in der Coastal Kitchen in Port Renfrew ging es zum Trailhead am Gordon River. Um 10 Uhr startete die ‚Orientation Session‘, die jeder Wanderer mitmachen muss. Man kann diese aber auch schon am Vortag absolvieren (jeweils 10 und 14 Uhr) und am nächsten Tag schon frühmorgens starten. Dort bekommt ihr auch das Permit, dass ihr z.B. für die Fährüberfahrten benötigt. Wir setzten also erst gegen Mittags zur anderen Uferseite über und zum Einstieg gab es gleich erstmal eine schöne Leiter zu überwinden. Wir haben tatsächlich 5h für die 6km gebraucht, kaum zu glauben – vorallem da wir kaum Pause gemacht haben. Am Anfang haben wir wohl zu viel versucht dem Schlamm auszuweichen – einfach mitten durch, dass lernt man nach ein paar Tagen 😉 Noch einen Kilometer Richtung Strand, und wir waren an der Trasher Cove angekommen. Der Platz war schon gut gefüllt, und zu nah an die Kurve wollte niemand mehr – dahinter wurde noch kurz zuvor ein Bär gesichtet. Dann folgte das tägliche Ritual: Zelt aufbauen, Frischwasser auffüllen, kochen und ab ins Zelt!k-wct-einstieg-gordon-riverk-wct-trasher-cover
k-west-coast-trail-waldcampsite-trasher-coveTag 2: Trasher Cove – Camper Bay – 9km – 7h
Der Balanceakt im Schlamm

Ein bisschen schwer waren die Beine ja schon, aber nach dem ersten Leitersystem ist der ganze Körper schon wieder warmgelaufen. In dieser Etappe balancierten wir über etliche Baumstämme und auch auf den bereits kaputten Boardwalks muss man sehr vorsichtig sein. Dazu nieselte es den ganzen Tag und der Schlamm erinnerte eher an Treibsand. Auch die ersten blauen Flecken wurden gesammelt. Nach 7h (mit Pausen) haben wir unser Zelt im Campers Bay aufgeschlagen. Bereits um 20 Uhr lag ich ziemlich erschöpft in meinem kuscheligen Schlafsack. west-coast-trail-balancewct-schmuddelkramwct-camper-bay-1Tag 3: Camper Bay – Walbran Creek – 9km – 8 1/2h
Matsch, Matsch und Leitern

Fast 12h habe ich geschlafen – ich weiß nicht, wann ich das dass letzte Mal geschafft habe :o) Die Sonne hat es wieder gut mit uns gemeint, aber gegen den knietiefen Schlamm kann diese auch nicht viel ausrichten. Dazu kamen einige lange Leitersysteme und das erste Cablecar. Zu zweit sind die Cablecars gut machbar, ganz alleine möchte ich das nicht machen müssen. Festhalten, Gepäck irgendwie reinschubsen und dann reinspringen?! Puuh! Kilometer 56 bis 55 waren dagegen sehr angenehm, neue Boardwalks und das über einen Kilometer.. Traumhaft – richtig entspannend! Mit einem tollen Sonnenuntergang am Walbran Creek verabschiedete sich Tag 3 auf dem WCT von uns. k-wct-boardwalkk-wct-walbran-creekk-west-coast-trail-1k-west-coast-trail-cablecarTag 4: Walbran Creek – Cribs Creek – 12km – 7h
Ein Tag am Strand

Ich glaube Tag 4 war mein Lieblingstag – traumhaftes Wetter und wir konnten fast die kompletten 12km am Strand laufen. Leider hatte ich an diesem Tag ziemliche Knieschmerzen, aber spätestens der Burger bei Chez Monique lässt die Strapazen vergessen. Heute gab es zwei Flüsse zu durchwaten – ein bisschen Abwechslung schadet doch nie. Schon kurz nach 15 Uhr erreichten wir die Campsite am Cribs Creek – 12km in 6h (+1h Pause bei Monique) – wir fühlten uns fast wie bei der Formel 1 😉 Am Nachmittag war also mal ein bisschen ausführlichere Hygiene angesagt – ein erfrischendes Bad im Bach und auch die Shirts und Socken wurden mal gewaschen. Man fühlt sich ja so gut danach! Abends gönnten wir uns noch ein schönes Lagerfeuer und konnten den Sternenhimmel genießen. tag-am-strand-west-coast-trailwct-between-walbran-and-cribs-creekwct-chez-monique-burgerwest-coast-trail-canadawest-coast-trail-on-the-beachwct-trek-cribs-creekcribs-creekIm nächsten Post nehme ich euch dann mit auf die drei letzten, sehr fotoreichen, Etappen!
Habt ihr Fragen zur Planung, Ausrüstung oder anderen Themen? Ich versuche sie in den Kommentaren so gut es geht zu beantworten! 🙂

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5 Discussions on
“West Coast Trail – Part 1 – von Gordon River bis Cribs Creek”
  • Ohhhhhhh, Manu, du weckst gerade so derbe mein Fernweh! 😀 Eine Traumtour. Bin schon auf die letzten 3 Etappen gespannt.
    Mit dem ganzen Schlamm hättet ihr ja fast schon einen Wellness-Trip draus machen können. 😀 Mit Schlammpackung, Schlammgesichtsmaske, Schlammkuchen …

  • Hi Manuela,

    ich finde toll, dass du den WCT gemacht hast auch ohne Mehrtagestouren-Erfahrung… Das hätte ich mich glaube ich nicht getraut und lieber mal ne Übungswanderung gemacht 😉
    Ich war, wie du ja vorher auch, noch nie auf einer Mehrtagestour, plane das aber fest ein für nächstes Jahr, zwar eher hier ums Eck, aber hier ists ja auch schön und außderdem bärenfrei 🙂

    Wie fit muss man denn deiner Meinung nach für den West Coast Trail sein? So auf einer Skala von 1 bis 10?
    Dein Post macht auch alle Fälle richtig Lust auf Abenteuer und sowas selbst mal zu erleben, schließlich stehe auf meiner Bucketlist auch eine Mehrtageswanderung, was von Herausforderungen und eigene Grenzen und so…. ;-)…

    Liebe Grüße
    Julia

    • Ein guter Plan! Was hast du dir denn für einen überlegt? 🙂

      Puh, schwierig. Ich würde jetzt mal für den WCT 7 sagen, mich selbst aber eher bei 5-6 einordnen Je fitter, desto angenehmer wird’s natürlich 🙂

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